Mein Tag: Allergietherapie – Wieder Freude am Frühling!

Sie gehören auch zu den Menschen, die den Frühling nicht herbeisehnen? Schuld daran ist die Pollenallergie. Lesen Sie, was am besten hilft und warum eine frühzeitige Immuntherapie ratsam ist. Bei vielen Pollenallergikern geht das Leiden schon zu Beginn des Jahres mit Haselnuss und Erle los, gefolgt von der Birke. Im Hochsommer reizen vor allem Gräser zum Niesen. Kräuter wie Beifuß und Ambrosie sind sogar noch im Oktober aktiv.


Hasel, Erle, Birke, Esche

Christiane kann sich über schönes Frühlingswetter nicht so recht freuen. Wenn im März und April die Sonne scheint, stößt die Birke im Nachbargarten gelbe Wölkchen aus – und die enthalten Milliarden von Pollen. „Wenn ich dann in den Garten gehen, fängt meine Nase an zu laufen, die Augen tränen und die Ohren jucken“, erzählt Christiane, die dann trotz schönstem Wetter stundenlang im Haus bügelt. Christiane ist mit ihren Beschwerden in guter Gesellschaft. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) leiden bundesweit mehr als 16 Prozent der Bevölkerung – rund 13 Millionen Menschen – an einer allergischen (atopischen) Erkrankung. Die Veranlagung dazu ist erblich. Sehr häufig wird ein allergischer Schnupfen durch den Kot von Hausstaubmilben hervorgerufen. Auch Baum- und Gräserpollen („Heuschnupfen“) sind problematisch. Die Pollen von Hasel, Erle, Birke, Esche, Gräsern, Roggen, Beifuß und Ambrosia sind für mehr als 90 Prozent aller Pollenerkrankungen verantwortlich.

Mehr Schmutz wagen
Menschen in den Industrienationen sind besonders häufig von allergischen Beschwerden betroffen. Forscher vermuten, dass ein Grund dafür hohe Hygienestandards sind. Demnach lernt das Immunsystem von Kindern, die in besonders gut geputzten Wohnungen aufwachsen, nicht mehr genügend unterschiedliche Mikroorganismen kennen, um auszureifen. Schützend dagegen wirkt ein frühzeitiger Kontakt zu anderen Menschen. Beim Spielen stecken sich Kinder zwar häufig gegenseitig mit Bakterien und Viren an. Dabei trainieren sie aber ihr Immunsystem, und dieses reagiert dann später seltener allergisch. Durch Tiere kommen Kinder ebenfalls mit wertvollem „Schmutz“ in Berührung. Sogar ein Schaffell kann vor Allergien schützen, wie Forscher des Helmholtz Zentrums München in einer Untersuchung mit fast 2.500 Kindern nachgewiesen haben. Wenn die Kinder in den ersten drei Lebensmonaten regelmäßig darauf liegen durften, sank ihr Allergierisiko um bis zu 80 Prozent.

Kribbeln nach Nüssen und Äpfeln
Neben den Pollen vertragen Allergiker oft auch einige pflanzliche Nahrungsmittel nicht. Wer auf Getreide- oder Birkenpollen allergisch reagiert, kann bei Nüssen, Äpfeln und anderem Obst sowie Karotten oder Tomaten ein Kribbeln im Mund verspüren. Menschen mit Heuschnupfen sollten zudem auf den Verzehr von Honig verzichten, weil dieser Pollen enthält. Bei vielen Menschen neigt das überaktive Immunsystem im Lauf der Jahre dazu, weitere Allergien zu entwickeln. So kann Christiane weder Katzen noch Kaninchen auf den Arm nehmen, ohne gleich rote Flecken auf der Haut zu bekommen.

Test identifizieren Auslöser
Um den Auslösern einer Allergie möglichst aus dem Weg zu gehen, ist es wichtig, diese zu kennen. Aufschluss darüber kann ein Allergie-Tagebuch geben. Bei speziellen Allergietests beim Arzt (Prick-Test, Intrakutantest, Scratch-Test, Reibetest) werden dann Proben von Allergenen auf die Haut aufgetupft, eingeritzt oder eingespritzt. Pusteln oder Quaddeln an der behandelten Stelle weisen auf eine Allergie hin. Im Blut lassen sich zudem typische IgE-Antikörper nachweisen.

Haare waschen, Nase spülen
Wer auf Pollen allergisch reagiert, sollte tagsüber die Fenster geschlossen halten und vor allem dann lüften, wenn der Pollenflug am geringsten ist, also nachts oder nach einem Regen. Kleidung mit Pollen oder Tierhaaren gehört nicht ins Schlafzimmer. Duschen und Haare waschen vor dem Schlafengehen verringern die Pollenkonzentration. Regelmäßige Nasenspülungen mit einer Nasendusche aus der Apotheke entfernen die Pollen von den Schleimhäuten. Bei einer Hausstauballergie kann man Wohnung und Bettzeug entsprechend ausstatten und regelmäßig Staub saugen oder feucht wischen. Ein Luftreiniger verringert Allergene von Hausstaubmilben, Pollen und Tierhaaren in der Wohnung.

Das Immunsystem umpolen
Nicht jeder kann die Pollensaison in der allergenarmen Luft am Meer oder im Hochgebirge verbringen. Auch Hausstauballergenen und Tierhaaren kann man oft nur schwer ausweichen. Doch es gibt eine Möglichkeit, den Körper langfristig an die Allergen zu gewöhnen: die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT). Grundsätzlich sollte die Therapie möglichst frühzeitig durchgeführt werden, da somit einem möglichen allergischen Asthma entgegengewirkt wird. Außerdem kann damit auch der Entwicklung weiterer Allergien vorgebeugt werden. Mit der Hyposensibilisierung wird das Immunsystem schrittweise an die individuellen Allergene gewöhnt. Dazu werden diese in ansteigenden Dosierungen unter die Haut gespritzt oder als Tabletten oder Tropfen über die Mundschleimhaut aufgenommen (sublinguale Immuntherapie, SLIT). Christiane wurden mehrere Monate lang „ihre“ Allergene als individuelle Lösung gespritzt – mit Erfolg. Früher blieb ihr regelmäßig die Luft weg, wenn die Pollen flogen. „Ich habe die Nächte wochenlang im Sessel sitzend verbracht“, erzählt sie. Die Therapie brachte deutliche Erleichterung. Wenn heute Nachbars Birke blüht, läuft Christianes Nase immer noch und ihr Hals kratzt, aber diese akuten Beschwerden lassen sich gut behandeln.

Arznei, die nicht müde macht
Bei akuten Beschwerden wie Augenjucken und Fließschnupfen hat Christiane die Wahl zwischen unterschiedlichen rezeptfreien Augentropfen oder Nasensprays mit Cromoglicinsäure oder Antihistaminika. Wenn sie den ganzen Tag fit sein will, nimmt sie auch mal eine Tablette mit einem Antihistaminikum wie Cetirizin oder Loratadin. Die modernen Antihistaminika werden in der Regel sehr gut vertragen. Wenn Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit, Appetitsteigerung oder Kopfschmerzen auftreten, kann ein Wechsel des Präparates sinnvoll sein, empfehlen die Experten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. Gegen eine verstopfte Nase helfen abschwellende Nasensprays oder -tropfen, die maximal eine Woche lang angewendet werden sollten. Eine Alternative sind rezeptfreie Cortison-Nasensprays. Sie können mehrere Wochen eingesetzt werden.

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